FMH – Berufsverband
 
Jubiläumsserie in der säz
Eine Geschichte der Ärzteschaft

Eine Geschichte der Ärzteschaft

Wie wurde aus einzelnen Ärztegesellschaften eine Stimme, die heute 46 000 Mitglieder vereint? Die Jubiläumsserie zeichnet nach, wie die FMH seit 1901 auf gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen reagiert und welche Bedeutung diese Geschichte für die Zukunft des ärztlichen Berufs hat.
  • Jubiläum
  • 1867
  • 1870
  • 1874
  • 1884
  • 1901
  • 1920
  • 1924
  • 1928

Vanessa Oskarsson
Kommunikationsspezialistin, Politik & Kommunikation, FMH

Barbara Kull
Co-Leiterin Politik und Kommunikation, FMH

Im Jahr 2026 blickt die FMH auf 125 Jahre Geschichte zurück, eine Geschichte, die weit mehr ist als eine Abfolge historischer Ereignisse. Sie ist ein Spiegel der Entwicklung der medizinischen Berufe in der Schweiz, der Veränderungen im Gesundheitswesen und der Rolle, welche Ärztinnen und Ärzte in der Gesellschaft einnehmen. Mit einer Jubiläumsserie in der Schweizerischen Ärztezeitung säz möchten wir diese Geschichte nicht nur dokumentieren, sondern einordnen und sichtbar machen, wie eng die Entwicklung der FMH mit derjenigen der gesamten Ärzteschaft verknüpft ist.

«Die Geschichte der FMH ist die Geschichte der Ärzteschaft.»

Dass die FMH heute rund 46 000 Mitglieder vereint und eine zentrale Stimme im Gesundheitswesen ist, war keineswegs selbstverständlich [1]. Die Wurzeln der heutigen Ärzteverbindung reichen zurück in eine Zeit, in der die medizinische Versorgung noch stark lokal organisiert war, kantonale Unterschiede überwogen und die politische Repräsentation der Ärzteschaft kaum existierte [2]. Der Weg von den ersten kantonalen Ärztegesellschaften über die Gründung der Ärztekommission bis zur nationalen Verbindung der Schweizer Ärzte im Jahr 1901 zeigt eindrücklich, wie stark das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Stimme schon früh ausgeprägt war [3].

Die Entstehung einer nationalen Ärzteschaft
Bereits im frühen 19. Jahrhundert entstanden in verschiedenen Kantonen erste Ärztegesellschaften, die zunächst vor allem dem fachlichen Austausch dienten [4]. Ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts folgten überkantonale Zusammenschlüsse: 1867 in der Romandie die Société médicale de la Suisse romande (noch heute SMSR), 1870 in der Deutschschweiz der Ärztliche Centralverein (heute VEDAG) und 1884 im Tessin die Società medica della Svizzera italiana (heute OMCT) [5]. Diese Vereinigungen bildeten 1874 die Delegiertenbasis einer Schweizerischen Ärztekommission, die die Ärzteschaft erstmals gesamtschweizerisch vertreten sollte, allerdings ohne verbindliche politische Rolle [6]. Gerade diese begrenzte Wirksamkeit führte gegen Ende des Jahrhunderts immer deutlicher zu der Einsicht, dass eine nationale Organisation notwendig war, um die Standesinteressen wirksam zu vertreten [3].

Mit der Gründung der Verbindung der schweizerischen Ärzte, der heutigen Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, im Dezember 1901 erhielt die Schweizer Ärzteschaft erstmals ein gemeinsames organisatorisches Fundament [7]. Diese neue sogenannte Ärztekammer vereinte die kantonalen Gesellschaften, während die Ärztekommission zur Exekutive erhoben wurde [8]. In den folgenden Jahren entstanden weitere Strukturen, welche die junge Organisation stärkten: 1920 erschien die erste Ausgabe der «Schweizerischen Ärztezeitung», 1924 wurde die Vereinigung selbstdispensierender Ärzte in den Verband integriert und 1928 führte eine grundlegende Statutenrevision zu verbindlichen Beschlüssen und einer engeren organisatorischen Einheit [9, 10]. 1931 folgte die landesweit einheitliche Regelung der ärztlichen Weiterbildung, ein Meilenstein, der den Einfluss des Verbands nachhaltig prägte [11].

«Die gemeinsame Stimme der Ärzteschaft entstand über Jahrzehnte.»

Historischer Bogen bis heute
Die kommenden Ausgaben der säz beleuchten diese Entwicklung in einem chronologischen Bogen, von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu den aktuellen Herausforderungen. Die Serie zeigt, wie die FMH im Laufe der Jahrzehnte Strukturen geschaffen, Verantwortung übernommen und immer wieder auf gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen reagiert hat. Sie zeigt Schlüsselereignisse wie die Statutenreformen, die Monopolisierung und spätere Neuordnung der ärztlichen Weiterbildung, den Aufstieg der Fachgesellschaften, die Integration neuer Berufsrealitäten sowie den Wandel durch das Krankenversicherungsgesetz und die Einführung nationaler Tarifsysteme.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Entwicklungen der letzten 25 Jahre. Denn diese Jahre haben die Arbeit der heutigen FMH nachhaltig geprägt: die Einführung von TARMED und SwissDRG, der Aufbau neuer Tarifsysteme wie TARPSY und ST Reha, die Entstehung von TARDOC sowie der gesundheitspolitisch zentrale Entscheid zur einheitlichen Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen (EFAS). Ebenso prägend waren Digitalisierungsschritte von HIN über die Health Professional Card bis hin zum elektronischen Gesundheitsdossier. Nicht zuletzt hat die Covid-19-Pandemie gezeigt, wie wichtig eine gut vernetzte und handlungsfähige Berufsorganisation ist, die innerhalb kürzester Zeit Orientierung und Unterstützung bieten kann.

Die 125-jährige Geschichte der FMH ist geprägt von Kontinuität und Wandel, vom Ausbalancieren unterschiedlicher Interessen, von der Suche nach tragfähigen Lösungen und vom gemeinsamen Anspruch, die Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz sicherzustellen. Die Serie geht im März weiter und widmet sich den Anfängen der ärztlichen Zusammenarbeit in der Schweiz und dem Weg hin zu einer nationalen Organisation. Wir freuen uns, Sie durch dieses Jubiläumsjahr zu begleiten, mit Rückblicken, Einordnungen und Ausblicken, die zeigen, wie eng die FMH und ihre Mitglieder seit 1901 miteinander verbunden sind. Die Geschichte der FMH ist die Geschichte einer ganzen Profession. Und sie wird von Ihnen, den heutigen Mitgliedern der FMH, weitergeschrieben.

Korrespondenz

kommunikation@fmh.ch

Literatur

Die Jubiläumsartikel basieren auf den Recherchen des Instituts für Medizingeschichte der Universität Bern: Bürgin D, Hächler S. 125 Jahre FMH – ein Ärzteverband im steten Wandel. Bern: Verlag, 2026. Verfügbar unter: https://www.img.unibe.ch/forschung/online_publikationen/index_ger.html

  1. Mitgliederstatistik der FMH 2024. www. fmh.ch/files/pdf32/fmh-mitgliederstatistiknach-
    basisorganisation_def.pdf [konsultiert 4.8.2025]
  2. Järmann S. Die Versammlungen des Schweizerischen ärztlichen Centralvereins 1870–1885. Diss. Universität Bern 2013; S. 63f.; Zur Organisation der Schweizerischen Ärzte. Referat von Theophil Lotz-Landerer an der Delegiertenversammlung in Olten am 17. März 1901. S. 5 ff (NA FMH-0856_2, S. 50)
  3. Ebd., S. 6 (NA FMH-0856_2, S. 51)
  4. www.berner-aerzte.ch/de/ueber-uns.html [konsultiert 4.8.2025]; Boschung U, Herren
    M. Einleitung, in: Ärztegesellschaft des Kantons Bern (Hrsg.). Von der Geselligkeit zur
    Standespolitik. 200 Jahre Ärztegesellschaft des Kantons Bern. Bern: Stämpfli, 2008; 235
    S., 12–23.
  5. Dufour M. Rede anlässlich der Versammlung des ärztlichen Centralvereins, der Société
    médicale de la Suisse romande und der Società medica della Svizzera italiana in Bern
    am 30. Mai 1885. Correspondenz-Blatt für Schweizer Ärzte. Nr. 13 vom 01.07.1885,
    S. 322 ff. (NA FMH-0854_3, S. 162 ff.)
  6. Järmann S. Die Versammlungen des Schweizerischen ärztlichen Centralvereins 1870–
    1885. Diss. med. Uni Bern 2013, S. 63f.; Zur Organisation der Schweizerischen Ärzte.
    Referat von Theophil Lotz-Landerer an der Delegiertenversammlung in Olten am
    17. März 1901. S. 4 (NA FMH-0856_2, S. 49)
  7. LX. Versammlung des ärztlichen Centralvereins. Correspondenz-Blatt für Schweizer
    Ärzte. 1901;Jahrgang(2):49.
  8. Verbindung der schweizerischen Aerzte. Statuten. Correspondenz-Blatt für Schweizer
    Ärzte. Nr. 19, 1901, S. 692 ff. (NA FMH-0856_2, S. 85 ff.)
  9. Protokoll der ausserordentlichen Hauptversammlung der Schweiz. Aerztekammer
    vom Sonntag, den 15. Juni 1924, 14 Uhr im Bürgerhaus in Bern. NA FMH 0475, S 357 f
  10. Statuten der Verbindung der Schweizer Aerzte. Revisionsentwurf des ZV. Schweizerische
    Ärztezeitung. Nr. 23, 1928, S. 264 ff
  11. Verhandlungs-Protokoll der ZV-Sitzung vom 12./13. Dezember 1931. c. Spezialistenfrage
    (NA FMH-0858_2, S. 129)

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