Im Jahr 2026 blickt die FMH auf 125 Jahre Geschichte zurück, eine Geschichte, die weit mehr ist als eine Abfolge historischer Ereignisse. Sie ist ein Spiegel der Entwicklung der medizinischen Berufe in der Schweiz, der Veränderungen im Gesundheitswesen und der Rolle, welche Ärztinnen und Ärzte in der Gesellschaft einnehmen. Mit einer Jubiläumsserie in der Schweizerischen Ärztezeitung säz möchten wir diese Geschichte nicht nur dokumentieren, sondern einordnen und sichtbar machen, wie eng die Entwicklung der FMH mit derjenigen der gesamten Ärzteschaft verknüpft ist.
Dass die FMH heute rund 46 000 Mitglieder vereint und eine zentrale Stimme im Gesundheitswesen ist, war keineswegs selbstverständlich [1]. Die Wurzeln der heutigen Ärzteverbindung reichen zurück in eine Zeit, in der die medizinische Versorgung noch stark lokal organisiert war, kantonale Unterschiede überwogen und die politische Repräsentation der Ärzteschaft kaum existierte [2]. Der Weg von den ersten kantonalen Ärztegesellschaften über die Gründung der Ärztekommission bis zur nationalen Verbindung der Schweizer Ärzte im Jahr 1901 zeigt eindrücklich, wie stark das Bedürfnis nach einer gemeinsamen Stimme schon früh ausgeprägt war [3].
Die Entstehung einer nationalen Ärzteschaft
Bereits im frühen 19. Jahrhundert entstanden in verschiedenen Kantonen erste Ärztegesellschaften, die zunächst vor allem dem fachlichen Austausch dienten [4]. Ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts folgten überkantonale Zusammenschlüsse: 1867 in der Romandie die Société médicale de la Suisse romande (noch heute SMSR), 1870 in der Deutschschweiz der Ärztliche Centralverein (heute VEDAG) und 1884 im Tessin die Società medica della Svizzera italiana (heute OMCT) [5]. Diese Vereinigungen bildeten 1874 die Delegiertenbasis einer Schweizerischen Ärztekommission, die die Ärzteschaft erstmals gesamtschweizerisch vertreten sollte, allerdings ohne verbindliche politische Rolle [6]. Gerade diese begrenzte Wirksamkeit führte gegen Ende des Jahrhunderts immer deutlicher zu der Einsicht, dass eine nationale Organisation notwendig war, um die Standesinteressen wirksam zu vertreten [3].
Mit der Gründung der Verbindung der schweizerischen Ärzte, der heutigen Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, im Dezember 1901 erhielt die Schweizer Ärzteschaft erstmals ein gemeinsames organisatorisches Fundament [7]. Diese neue sogenannte Ärztekammer vereinte die kantonalen Gesellschaften, während die Ärztekommission zur Exekutive erhoben wurde [8]. In den folgenden Jahren entstanden weitere Strukturen, welche die junge Organisation stärkten: 1920 erschien die erste Ausgabe der «Schweizerischen Ärztezeitung», 1924 wurde die Vereinigung selbstdispensierender Ärzte in den Verband integriert und 1928 führte eine grundlegende Statutenrevision zu verbindlichen Beschlüssen und einer engeren organisatorischen Einheit [9, 10]. 1931 folgte die landesweit einheitliche Regelung der ärztlichen Weiterbildung, ein Meilenstein, der den Einfluss des Verbands nachhaltig prägte [11].
Historischer Bogen bis heute
Die kommenden Ausgaben der säz beleuchten diese Entwicklung in einem chronologischen Bogen, von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis zu den aktuellen Herausforderungen. Die Serie zeigt, wie die FMH im Laufe der Jahrzehnte Strukturen geschaffen, Verantwortung übernommen und immer wieder auf gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen reagiert hat. Sie zeigt Schlüsselereignisse wie die Statutenreformen, die Monopolisierung und spätere Neuordnung der ärztlichen Weiterbildung, den Aufstieg der Fachgesellschaften, die Integration neuer Berufsrealitäten sowie den Wandel durch das Krankenversicherungsgesetz und die Einführung nationaler Tarifsysteme.
Ein besonderer Fokus liegt auf den Entwicklungen der letzten 25 Jahre. Denn diese Jahre haben die Arbeit der heutigen FMH nachhaltig geprägt: die Einführung von TARMED und SwissDRG, der Aufbau neuer Tarifsysteme wie TARPSY und ST Reha, die Entstehung von TARDOC sowie der gesundheitspolitisch zentrale Entscheid zur einheitlichen Finanzierung von stationären und ambulanten Leistungen (EFAS). Ebenso prägend waren Digitalisierungsschritte von HIN über die Health Professional Card bis hin zum elektronischen Gesundheitsdossier. Nicht zuletzt hat die Covid-19-Pandemie gezeigt, wie wichtig eine gut vernetzte und handlungsfähige Berufsorganisation ist, die innerhalb kürzester Zeit Orientierung und Unterstützung bieten kann.
Die 125-jährige Geschichte der FMH ist geprägt von Kontinuität und Wandel, vom Ausbalancieren unterschiedlicher Interessen, von der Suche nach tragfähigen Lösungen und vom gemeinsamen Anspruch, die Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz sicherzustellen. Die Serie geht im März weiter und widmet sich den Anfängen der ärztlichen Zusammenarbeit in der Schweiz und dem Weg hin zu einer nationalen Organisation. Wir freuen uns, Sie durch dieses Jubiläumsjahr zu begleiten, mit Rückblicken, Einordnungen und Ausblicken, die zeigen, wie eng die FMH und ihre Mitglieder seit 1901 miteinander verbunden sind. Die Geschichte der FMH ist die Geschichte einer ganzen Profession. Und sie wird von Ihnen, den heutigen Mitgliedern der FMH, weitergeschrieben.
Die Jubiläumsartikel basieren auf den Recherchen des Instituts für Medizingeschichte der Universität Bern: Bürgin D, Hächler S. 125 Jahre FMH – ein Ärzteverband im steten Wandel. Bern: Verlag, 2026. Verfügbar unter: https://www.img.unibe.ch/forschung/online_publikationen/index_ger.html